Terry Pratchett ist Kult. Man kann es nicht anders sagen. Seine Romane wurden in 37 Sprachen übersetzt, und es wurden über 60 Millionen Exemplare davon verkauft. Wer sie liebt, der tut es aus ganzem Herzen.
Seine Fans waren entsetzt, als er 2007 auf einer Vortragsreise durch die USA öffentlich erklärte, er habe einen Schlaganfall erlitten. Darin hatte er sich getäuscht: Später wurden seine Beschwerden als Alzheimer diagnostiziert, und die Fans mussten befürchten, dass keine weiteren Scheibenweltromane mehr erscheinen würden.
Die einzigartige Karriere von Terry Pratchett
Er selbst erzählt, er habe seine Bildung der öffentlichen Bibliothek in seinem Geburtsort Beaconsfield zu verdanken, wo er 1948 geboren ist; er gibt aber zu, dass vielleicht auch die Schule einen kleinen Beitrag geleistet haben könnte. Mit dreizehn schrieb er für die Schülerzeitung seine erste Kurzgeschichte. Zwei Jahre später konnte er sie an Science Fantasy verkaufen, und den Erlös investierte er in eine Schreibmaschine.
1965, 17 Jahre alt, brach er die Schule ab und arbeitete fortan als Journalist. Unter anderem versah er 250 laufende Ausgaben einer Zeitschrift mit Geschichten für die Kinderseite. Parallel dazu besuchte er einen zweijährigen Kurs in Journalismus. Er brachte es bis zum Mitherausgeber.
Sein erstes Buch, Die Teppichvölker, erschien 1971 und wurde dem Publikum vorgestellt auf einer großen Party in der Teppichabteilung eines Kaufhauses. Die Ideen dazu waren bereits auf der besagten Kinderseite bearbeitet worden.
Von 1980 bis 1987 war er Pressesprecher einer Elektrizitätsgesellschaft, unter anderem zuständig für eventuelle Störfälle in vier Atomkraftwerken und die Versuche, diese in der Öffentlichkeit darzustellen. Später wird er sagen, dass er ein Buch über seine Erfahrungen schreiben würde, wenn die geringste Aussicht bestünde, dass irgend jemand es für glaubwürdig halten könnte.
Die Scheibenweltromane
Zwei weitere Romane fanden wenig Beachtung. Erst der erste Scheibenweltroman, Die Farben den Magie, brachte den Durchbruch. Nach dem dritten beschloss Pratchett, den Versuch zu wagen, nur vom Schreiben zu leben. Dieser Versuch ist ihm geglückt. Seine Romane fanden reißenden Absatz.
1998, mit fünfzig Jahren, wurde er von Prinz Charles zum Officer of the Britisch Empire ernannt, für seine Verdienste um die Literatur. Mit 60 wurde er Knight Bachelor und darf sich seitdem Sir nennen.
Er erhielt die Ehrendoktorwürde der Universitäten von Warwick, Portsmouth, Bath, Bristol, Buckinghamshire und Dublin, Bradford und Winchester - und er revanchierte sich, indem er seine Würdiger zu Ehrendoktoren der Unsichtbaren Universität der Zauberer in Ankh-Morpork ernannte.
Im November 2001 ist der Illustrator der Scheibenweltromane, John Kirby, mit 72 Jahren gestorben. Er hatte wesentlich zu ihrem unverkennbaren Erscheinungsbild beigetragen durch seine Titelillustrationen, auf denen er ungezählte Einzelheiten ebenso liebevoll und grotesk überzeichnete wie der Autor selbst.
Terry Pratchett erkrankt an Alzheimer
Auf der Seite von Paul Kidby schrieb Terry Pratchett am 4. Dezember 2007, dass er an einer seltenen Form von Alzheimer erkrankt ist.
Dies ist seine Nachricht:
- Leute,
- ich hätte das gerne noch eine Zeit lang für mich behalten, aber da Conventions ins Haus stehen und meine Verleger informiert sein müssen, scheint es mir unfair zu sein, die Information zurückzuhalten.
- Bei mir ist eine sehr seltene Form von früh einsetzendem Alzheimer diagnostiziert worden, die dem angeblichen Schlaganfall dieses Jahres zugrunde lag.
- Wir nehmen das hier bei uns ziemlich philosophisch und mit vorsichtigem Optimismus. Vorerst geht die Arbeit weiter mit der Vollendung von "Nation", und für "Unseen Academicals" sind bereits die grundlegenden Vorarbeiten geleistet. Alles andere bleibt gleich, abgesehen davon, die laufenden und soweit möglich zukünftigen Verpflichtungen einzuhalten, aber das werden wir mit den jeweiligen Organisatoren besprechen. Ehrlich, ich würde es vorziehen, wenn Ihr den Kopf nicht hängen lasst, denn ich glaube, es ist noch Zeit genug für zumindest ein paar weitere Bücher.
- Ich möchte jeden, der dies liest, darauf aufmerksam machen, dass es interpretiert werden sollte als "Ich bin nicht tot"; ich werde natürlich irgendwann in der Zukunft tot sein, genau wie jeder andere auch. Für mich mag das weiter in der Zukunft liegen als Ihr denkt - es ist zu früh, das zu sagen.
- Ich weiß, es ist sehr menschlich, etwas zu sagen wie "Kann ich irgend etwas für dich tun?", aber in diesem Fall würde ich nur Angebote von hochspezialisierten Gehirnchemie-Experten begrüßen.
Terry Pratchett hat recht behalten. In diesem Jahr hat er den neuen Scheibenweltroman "Unseen Academicals" vollendet, der umfangreicher geworden ist als alle vorigen, und zwischendurch hat er noch eine neue Geschichte von Tiffany Aching und den Mac Nac Feegles geschrieben und das Bankenwesen der Scheibenwelt aufs Korn genommen.
Höchstwahrscheinlich aus aktuellem Anlass. Autoren wie Terry Pratchett pflegen zu behaupten, ihre Bücher seien weit weniger skurril als die Wirklichkeit.
Infrarot und Amalgam
In Großbritannien ist Sir Pratchett zur Zeit das öffentliche Gesicht der Krankheit Alzheimer. Er hat einen beträchtlichen Teil seines Vermögens in eine Stiftung investiert und hält Vorträge, in denen er die mangelnden Forschungsgelder beklagt und eine bessere Förderung einfordert.
In seinem eigenen Fall hat er die Schuldigen für seine Erkrankung bereits ausgemacht: Seiner Ansicht nach sind die Amalgam-Füllungen seiner Zähne die Auslöser gewesen. Er hat sie alle entfernen und durch andere Füllungen ersetzen lassen.
Außerdem hat er eine eigene Form der Therapie entwickelt. Mit einem futuristisch anmutenden Helm lässt er täglich zehn Minuten lang Infrarotbestrahlungen auf sein Gehirn los. Es habe bisher zumindest nicht geschadet, meint er. Und wenn man bedenkt, dass eine amerikanische Studie die Gehirnerwärmung durch Handystrahlen bei Alzheimer-Mäusen für heilsam befunden hat, mag er vielleicht sogar recht haben.
Inzwischen hat er einen vielbeachteten Vortrag gehalten über das Recht eines jeden Menschen, dann aus dem Leben zu scheiden, wenn er selbst es für angebracht hält. Wenn uns also die traurige Nachricht erreichen wird, dass Terry Pratchett den Tod gefunden hat, dann können wir davon ausgehen: In dem Fall war Tod verblüffter als der Verstorbene.
